In dieser sommerlichen Episode des „systemischen Psychotherapie Podcasts: Nicht wahr, aber nutzbar“ begrüßen Enno und Sebastian einen ganz besonderen Ehrengast, Dr. Wilhelm Rotthaus. Dr. Rotthaus ist ein echter Pionier der deutschen systemischen Therapie für den Bereich der Kinder-und Jugendlichen und ihren Familien. Sein Lebenslauf ist faszinierend und unkonventionell: Er studierte zunächst Medizin, verlor jedoch die Lust daran und arbeitete stattdessen für mehrere Jahre erfolgreich als Musiker. Später kehrte er in die Medizin zurück und entschied sich ganz bewusst für die Kinder- und Jugendpsychiatrie, da er dort das größte Potenzial für Veränderungen sah. Er arbeitete ab Mitte der 1970er Jahre in einer großen Klinik in Viersen, wo er als Chefarzt maßgeblich daran beteiligt war, stationäre Familientherapie-Konzepte zu etablieren. Zudem war er Vor-Vorgänger von Enno als DGSF-Vorsitzender und ist bis heute (mit über 80 Jahren) als erfahrener Supervisor u.a. in Psychotherapieausbildungen und bei Approbationsprüfungen tätig. Gemeinsam mit Sebastian gibt er die „Störungsspezifische Reihe“ im Carl-Auer Verlag heraus.
Er nimmt uns mit in die 70er und 80er Jahre, als er begann, Ideen der strukturellen Familientherapie in den stationären Klinikalltag zu integrieren. Im Zentrum des Gesprächs steht seine tiefgreifende, wertschätzende Haltung gegenüber Eltern: Anstatt Eltern als die Verursacher der Probleme ihrer Kinder abzustempeln, behandelte er sie stets als die wahren Experten („Chef/innen“) und arbeitete nach der Grundüberzeugung, dass alle Eltern gute Eltern sein wollen. Er teilt viele praktische Beispiele, wie man z.Bsp. durch Settingwechsel und radikale Allparteilichkeit blockierte Beziehungen in Familien wieder in Bewegung bringt.
Weitere konkrete Buchtitel aus seiner Feder werden in dieser speziellen Podcastfolge nicht namentlich genannt, allerdings erwähnt er selbst, dass er im Laufe seiner Karriere Fachliteratur zu systemischen Grundhaltungen publiziert hat.
Bleibt unbedingt bis zum Schluss dran, denn am Ende der Folge gehen Enno und Sebastian in ein spannendes „Reflecting Team“.


